
04.10.2011
Erschließung eines Klima-Archivs
Unter dem Motto „Dust Trap“ (dt. Staubfalle) finden seit dem 20.09.2011 Tiefbohrungen im Krater des Rodderberg-Vulkans statt. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik, des Steinmann-Instituts der Universität Bonn und des Geologischen Dienstes NRW möchten gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Bayreuth, Braunschweig, Bremen und Köln Bohrkerne in hoher Qualität gewinnen, aus denen wichtige Informationen über die Klima- und Vulkangeschichte des Rheinlandes abgelesen werden können.
Die Kraterhohlform diente mit einem Durchmesser von 800 Metern seit der letzten vulkanischen Aktivität vor 300.000 Jahren als Auffangbecken für Löss, Sedimente und Vulkanoklastika. Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, in der Kraterfüllung übereinander abgelagerte Sedimente von mehreren Kalt- und Warmzeiten zu finden, sowie eingelagerte Aschen von Vulkanausbrüchen in der Eifel (z.B. Laacher See), die als Zeitmarken dienen. Solche Konstellationen sind selten und werden als Klima-Archiv bezeichnet. Im Mittelpunkt steht neben der Auskunft über vergangene Klimaverhältnisse auch die Frage, wie sich zukünftige Klimaveränderungen auf die Mittelgebirgsregion auswirken werden.
Die Forschungsbohrungen sollen bis zur Kraterbasis (ca. 150 m) erfolgen und dauern ca. zwei Monate an. Nach den Bohrarbeiten erfolgt die wissenschaftliche Auswertung des gewonnen Materials und der Messungen. Die Bohrlöcher dienen im Anschluss für fünf Jahre als wissenschaftliche Beobachtungsstelle für den Grundwasserspiegel.
Der Rodderberg dient schon lange – seit Erwachen der geologischen Forschungen im 18. Jahrhundert – als Forschungs- und Lehrobjekt. Er liegt im Osten der Gemeinde Wachtberg, ca. 12 km südlich von Bonn und gehört zu einem beliebten Naherholungsgebiet im Naturpark Rheinland. Von dort aus hat man einen schönen Blick über das Rheintal auf das gegenüberliegende Siebengebirge.
Mehr über das Projekt und den aktuellen Stand der Bohrungen unter www.rodderberg.org.